Mittwoch, 3. Juni 2026

Zaubern möchte ich können....*


 Nachts übe ich (ohne Bild) mich an dich, an dein Gesicht zu erinnern
Warum wird es schwächer?
Wieder und wieder versuche ich, 
dich hinter meinen Augen festzuhalten.
Doch nichts hält still,
immer ist da eine Bewegung,
ein kurzer Blick,
ein Aufleuchten deiner Augen,
ein Lächeln -
dann nur ein blasser Schimmer.
Gedanklich strecke ich die Arme aus,
will dein Gesicht fassen,
es streicheln,
doch alles entfleucht.
Liegt dies am anbrechenden Tag?
Bleib hier, flüstere ich.
doch nichts geschieht.

Fort schreitet die Zeit ....

Dienstag, 2. Juni 2026

Kurzes ...*

Rosenduft
Sehe dein Lächeln
Und weine

Der Rotmilan fliegt
Dreht Kreise auch über dir
Vom Himmel zum Grab

Die Nachtigall singt
Die Bank am Grab lädt ein
Wir lauschen beide

Lupinenblüten
beugen sich zu dir herab
Duft umhüllt dein Grab


Und dazu eine Weisheit von Petros aus seinem Buch "Spruchreif" :

*Loslassen ist der einzig notwendige Lebenskampf*

Freitag, 29. Mai 2026

Nachtgedanken ...*

Nachts spielt sich Schlaflosigkeit ab.
Der Versuch, nicht zu viel an dich zu denken, schlägt fehl.
Alles andere verträgt noch kein Nachdenken.
Nachdenken macht oft so viel mehr kaputt, 
was das Durchhalten betrifft.

Die Rathausuhr schlägt die 2. Stunde.
Ich messe meine Zeit an ihr,
schaue ins Dunkel und überlege,
wann ich das letzte Mal lange gesprochen habe -
gestern früh, stimmtrocken, wenige Worte am Telefon.

Ich sah dabei aus dem Fenster,
sah Blumen, die ihre Farben verschütten,
der Mohn rot, als würde er bluten - 
genau wie mein Herz.

Vielleicht ist es an der Zeit, 
mir kleine Ziele zu stecken,
die leicht zu erreichen sind -
einfach raus gehen, 
den Radioknopf drücken,
Blumen fotografieren,
bei der Nachbarin Hallo sagen ...

Nein, noch nicht.
Ziele werden zu Notwendigkeiten.
Noch lehne ich sie ab,
noch brauche ich nichts davon,
alles wäre noch zu früh,
mein Status hat sich noch nicht verändert.

Die Schwelle des normalen Lebens ist
einfach noch zu hoch ...

Montag, 25. Mai 2026

Und immer wieder ....*

Der Bruchteil eines Atemzugs geht tief.
Das Herz schlägt schnell in einem kleinen Lächeln.
Unwirkliches klingt in der Luft - du fehlst.

Innen formt sich erneut Schmerz,
immer und immer wieder.

Du bist nicht mehr in dieser Zeit.
Doch ich finde dich in jedem Gedanken.
Ich spinne Fäden, hülle dich darin ein.
Dich und mich.

Solch Moment fühlt sich stets anders an als alles andere,
inniger, nur uns beide betreffend.

Die Außenwelt verblasst,
die du verlassen hast.

Viele Möglichkeiten öffnen sich,
in denen du mir nah bist - fast da.

Augenblicke, die uns unseren Raum schaffen.
Für alle Zeit.
Für immer.

Samstag, 23. Mai 2026

Unser Lied ...*

Du und ich -
wir haben unser Lied:
*Ich brauch dich jeden Tag ein bisschen mehr..*

Als dieses Lied gesungen wurde in einer Fernsehsendung
sagtest du:
DAS müsste ich jeden Tag, jede Stunde für dich singen, Edith.

Und wir haben es gemeinsam gesungen.
Ich hielt deine Hand und du meine.
Es gab uns Kraft, es stärkte uns, und wir verstanden.
Es stärkte unsere Liebe.

Nun höre ich es mir allein an, sitzend in deinem Sessel.
So gern wäre ich noch länger für dich dagewesen.
Doch die Kraft des Lebens verließ dich mehr und mehr.
Die konnte ich dir nicht geben,
nur meine Liebe bis zum letzten Augenblick....

Freitag, 22. Mai 2026

Die Angst ist weg ...*

Und weißt du, was du mir mit deinem Sterben genommen hast?
Die Angst vor dem eigenen Tod.
Ich glaube fest daran,
wenn ich sterbe,
wirst du da sein.
Denn es kann keine Lüge sein,
dass deine Seele noch bei mir ist.
Unsere Liebe verbindet uns noch immer.

Nein, dein Tod war nicht das Ende.
Für andere mag es so scheinen.
Doch nach 55 Jahren reißt kein Band,
das wir geknüpft haben -
beständig, regelmäßig, fest.

Das gibt mir Kraft, Ruhe 
und die innere Ausgeglichenheit,
dass du nicht hier,
aber da bist ... 

Mittwoch, 20. Mai 2026

Ein Büchlein nur für dich ...*

Du kennst mich gut.
Du wusstest immer, dass ich gern schreibe.
Meine Gedichte, Gedanken haben dir immer gefallen.
In deinen Augen glänzte Stolz.

Du hattest sowieso gern, wenn ich dir vorlas -
Hesse, Erhardt, Bücher in sächsischem Wortlaut,
Aitmatow und die Mayröcker, um nur einige zu nennen.

Und natürlich liebtest du meine Büchlein,
welche ich stets nach einem Urlaub schrieb.
So holten wir gute Momente zurück,
konnten wieder neu darüber staunen und reden.

Nun habe ich ein Büchlein ganz über und für dich allein 
auf den Weg gebracht.
Ich halte dich darin fest,
gebe dir in jedem einzelnen Gedanken einen Platz,
durchlebe Freude und Trauer.

Ja, alles wird auch darin bleiben -
ein Anker zum Festhalten,
Schritte zum Weitergehen -
eben weil du nicht mehr hier bist.

Aber du bist da,
du bist nah.
Du bist und bleibst meine Liebe ...