Samstag, 5. Juni 2021

Der Kuckuck

Zu hören ist er oft und überall - in Wald und Flur, in Parks, auf Friedhöfen, in Tälern und Höhen.
Wir warten jedes Jahr am gleichen Tag auf ihn - dann, am 1. Mai hören wir wieder seinen Ruf. Er verspätet sich nie.
Er zieht den Frühling mit. Viele Jahrzehnte sicher erschallt schon sein Ruf, der seinen Namen trägt: Kuckuck.
Genau dann schütteln wir unsere Geldbeutel lassen das Kleingeld klimpern, denn dem ersten gehörten Ruf wird nachgesagt, dass das Geld übers Jahr nicht alle wird.
Er ist hier wie dort, bleibt nie am gleichen Ort, baut kein Nest und zieht selbst seine Jungen nicht groß.
Er legt seine Eier  fremd. So umgeht er viel Arbeit, viel Stress, viel Angst.
Sein "Kuckuck" ist immer gleich, es gibt keine Veränderung in den Tönen.
Und scheu bleibt er den Augen verborgen, doch dafür lockt seine Stimme laut, ist weit zu hören.

In diesem Jahr sah ich ihn nach langer, langer Zeit wieder einmal. Ich erstarrte auf dem Fleck.
Er flog mit Schwung hoch hinaus und fast augenblicklich senkrecht wieder nach unten. Für einen klitzekleinen Moment nur setzte er sich auf einen Ast, um gleich wieder hoch, und in einer Kehrtwende dann davon zu fliegen, nicht ohne mir seinen Ruf dazulassen. Ihn zu fotografieren käme einem Kunststück gleich.
Es ist eine unvergleichliche Faszination, die Ort und Zeit unwichtig erscheinen lassen.
Er zeigt, wie gut und frei und schön Leben sein kann....

Mittwoch, 2. Juni 2021

Mein Glücksgefühl

Erste Sonnentage, so sehr herbei gesehnt, bestimmen mein Glücksgefühl.
Noch ist es dunstig. Morgentau löst sich auf in den dahindämmernden Straßen.
Es sind Augenblicke, in denen sich sehen lässt, was tagsüber verborgen bleibt.
Auch der Wald zieht sein farbloses Nachtzeug aus und strahlt in frischem Grün.
Buchen und Tannen recken und strecken sich dem sonnigen Tag entgegen....

Dienstag, 1. Juni 2021

Meine große Leidenschaft

Ganz still stehe ich vor meinen Regalen, die gefüllt sind mit Büchern.
Ich warte ab, schaue, und mein Blick  wird heute von den antiquarischen Werken angezogen.
So ist es, ein Buch findet immer meine Augen.
Blätternd in Brecht's Gedichten, bröselt eine Seite am Rande. Ein unschlagbarer Geruch steigt auf
und auch meine Finger duften. 
Der Geruch lässt mich lächeln, und ich erspüre in meiner Fantasie diese unsichtbaren Gestalten,
die  sich im Buch tummeln und schon lange meine Freunde sind.
So gern tauche ich (noch immer!) in Büchern ab, übernehme hinter der Stirn die Bilder, die sich zeigen
und fühle mich wohl in den Empfindungen, die so hauchartig daraus verströmen....

Sonntag, 30. Mai 2021

Natürlicher Einklang

Ich werfe meinen ersten Schatten ins Morgenlicht. 
Der Tag und ich, wir sind aufeinander abgestimmt.
Wir liefern uns gegenseitig Verständnis und Bewunderung.
Mein Zentrum ist die Natur.
Küche und Wohnzimmer längst nach draußen verlegt,
lässt mich mitten drin sitzen.
Vögel sind von morgens bis abends willkommene Gäste.
Keine Eintönigkeit - vieltönig unterhalten  sie und bringen Bewegung.
Es tut gut, im Einklang mit der Natur zu sein.





Donnerstag, 27. Mai 2021

Natur pur

Bin ich auf Wildkräutersuche, dann bleibt mein Blick nicht nur auf den Boden gerichtet.
Am liebsten mag ich nach oben sehen zu den Baumkronen. Das Grün, welches sich über mir wölbt, ist mehr als ein Dach. Es strahlt Ruhe und Geborgenheit aus. Da drunter zu sein, fühlt sich für genau in diesen Moment an, als sei die Welt rundum  in Ordnung. 
Am Stamm lehnend, rieche ich Erde, Rinde, Blätter, Nadeln - ich rieche Leben.
Dann suche ich nach Moos und bestaune Wurzeln, die auch an der Oberfläche für nötigen Halt sorgen.
Und ich kann meine Fantasie frei laufen lassen, sehe, dass eine Wurzel eine andere *im Griff* hat, sie fest hält oder sich selbst dadurch vielleicht auch sichert. 
Bäume zeigen ihre Jahre, die sie gemächlich tragen, ihre Freude, wenn der Wind sie zum Wispern bringt....



Mittwoch, 26. Mai 2021

Zwei Achtundzwanziger

Frühling, du bist so grässlich kalt.
Aber alles grünt und blüht nach Wunsch.
Auch du wirst uns noch warme Tage gönnen.

Buchen im Wald tragen ihr Dach.
Nur bei Wind blinkert die Sonne durch.
Und Rehe kommen aus dem Wald heraus.



Dienstag, 25. Mai 2021

Die kleine Buche

Neben unserem Johannes-Baum ein Samen sich vor Jahren hin verflog. Er  trieb, gedieh und entwickelte sich  zum kleinen, kugeligen Bäumchen - einer Buche.
Ich liebe Buchen. Deshalb imponierte mir dieses kleine Bäumchen.
Sind im Herbst längst alle Laubbäume kahl, hält die kleine Buche an ihren Blättern fest. Total welk  und
dunkelbraun hängen sie von Oktober bis März an ihm wie Kletten. Kein  Sturm, kein extremes Winterwetter zerrt von ihr je ein Blatt. Die kleine Buche hält sie fest und schützt somit ihre neuen Knospen.  Oh ja, sie ist  schlau.
Und dann, wenn der Frühling schon etwas fortgeschritten ist, wartet sie nur auf einen kleinen Windhauch,
der wie auf Bestellung sanft daher kommt und alle Blätter werden ihrer Funktion enthoben. Sie fallen und
liegen rund um die kleine Buche herum. Monate, jedem Sturm getrotzt, reichte dann dieser Hauch und sie
zeigt uns ihr frisches Leben, ist bereit für das Jahr.
Diese Buche zeigt mir so viel.
Sie will, dass ich so bleibe wie sie -
sturmerprobt immer wieder neu beginnen,
trotzig sein und doch gewinnen,
um das Leben immer wieder neu zu leben....