Donnerstag, 29. Januar 2026

Und wieder erinnere ich daran*

Ihr Lieben, Auschwitz steht gerade ganz oben. Zu Recht! So etwas darf nicht wieder geschehen! Doch als die sowjetischen Soldaten die Lagergefangenen befreite, waren sehr viele Soldaten noch für Jahre in Russland in Gefangenschaft. Es stimmt, Deutschland hat den Krieg begonnen, geführt. Doch es waren nicht die Soldaten, die dafür verantwortlich waren, denn, wer will schon Krieg und in ihm fallen...
Doch es gibt sie, die andere Seite der Medaille und auch die sollte nicht vergessen sein.

Mein Schwiegervater kam fast sechs Jahre später erst aus
der Gefangenschaft nach Hause. Fragten wir ihn, was er
durchmachen musste, dann sagte er nichts weiter als den Satz: Glaubt mir Kinder, dies wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht, diese Winter.... Ich glaube, er erholte sich nie mehr davon und starb sehr früh an Muskelschwund ....
Es ist falsch, darüber kein Wort zu verlieren.

5 Kommentare:

C Stern hat gesagt…

Vielen Dank für Deine Gedanken, sehr geschätzte liebe Edith!
Ich bin immer wieder fassungslos, wenn gerade ältere Herrschaften meinen, dass man darüber inzwischen genug geredet, geschrieben und gesehen habe. Es kann gar nicht genug sein, wie wir wohl immer wieder feststellen müssen. Es ist erschütternd, wie wenig auch gerade junge Menschen darüber Bescheid wissen.
Ich war einmal in Mauthausen, nicht weit von mir entfernt, weiters im Schloss Hartheim, wo behinderte Menschen systematisch ermordet wurden. Beide Orte waren mir unerträglich, es war mir, als würden mich die Seelen dieser so bedauernswerten Menschen noch Jahrzehnte danach berühren und um Hilfe anflehen. Mir war so schrecklich zumute, mein Hals war wie zugeschnürt - und dennoch wünsche ich mir, dass alle Schüler*innen an diesen so wichtigen Gedenkstätten Führungen machen müssen. Es muss klar sein, dass sich solche und andere Dinge niemals mehr wiederholen dürfen. Die Tendenzen in diese Richtung gibt es in vielen Ländern dieser Welt.
Mein Großvater kam auch aus russischer Gefangenschaft zurück. Es heißt, er habe an Malaria gelitten.
Als ich neun Jahre alt war, ist er verstorben. So konnte ich ihn nie fragen, einiges habe ich von meinem Onkel darüber erfahren. Und genau dieser meinte einmal, dass er es schade finde, dass Deutschland den Krieg verloren habe, ich war extrem entsetzt. Da ist etwas in mir zerbrochen.
Liebe und sehr nachdenkliche Grüße, C Stern

Edith hat gesagt…

Du Liebe, Gute, ich danke dir sehr für deine persönlichen Erfahrungen. Ich bin ja ein DDR-Kind. Da war es in der 8. Klasse Pflicht, Buchenwald zu besuchen. Noch heute sehe ich diese Bilder innerlich vor mir. Meine Enkel waren mit ihren Eltern dort, da dies ja kein Schulprogramm mehr ist.
Vielleicht war es bei deinem Onkel noch die innere Wut, weil viele in Kriegsgefangenschaft auch sehr gelitten haben, ähnlich deinem Großvater. Manche Menschen sehen dann das Eigene, warum es dazu überhaupt kam, nicht.
Auch mein Schwiegervater hat darunter sehr gelitten, der Arzt meinte immer wieder, dass dieser Muskelschwund sicher auch durch die Gefangenschaft kam. Mein Schwiegervater selbst erzählte gar nichts darüber, so sehr herrschte die Angst noch, denn es wurde ihnen damals strickt verboten, darüber zu reden. Er brachte immer nur diese strengen Winter zum Ausdruck. Mein Mann und ich haben ihn gepflegt, als er gar nichts mehr konnte. Oft dachte ich an diese schreckliche Zeit, die sich bei manchen Menschen bis in den Tod nachzog.
Vielen Dank du Liebe. Möge uns allen SOLCHES erspart bleiben...
Herzlichst, Edith

Silver hat gesagt…

Als wir das Thema in der Schule hatten, haben wir u.a. Die weiße Rose geschaut und der Film ließ mich sprachlos zurück.
Meine Mitschüler sprangen nach dem Film auf, erleichtert, schwatzten, lachten‐ das habe ich nicht verstanden.
Vielleicht taten sie das um düstere Gefühle zu verdrängen. Noch schlimmer war Schindlers Liste, einmal und nie wieder.
Mich hat das lange beschäftigt, habe mich dann reingelesen, u.a. über die furchtbaren Experimente die an Gefangenen durchgeführt wurden.
Meine Eltern hatten mich mal mitgenommen, ich glaube nach Neuengamme, das hat mich sehr belastet. Ich fand ich war da noch zu jung für.
Man muss immer wieder daran erinnern, gerade weil vermutlich mittlerweile alle Zeitzeugen verstorben sind.

Liebe Grüße!

Silver hat gesagt…

Als wir das Thema in der Schule hatten, haben wir u.a. Die weiße Rose geschaut und der Film ließ mich sprachlos zurück.
Meine Mitschüler sprangen nach dem Film auf, erleichtert, schwatzten, lachten‐ das habe ich nicht verstanden.
Vielleicht taten sie das um düstere Gefühle zu verdrängen. Noch schlimmer war Schindlers Liste, einmal und nie wieder.
Mich hat das lange beschäftigt, habe mich dann reingelesen, u.a. über die furchtbaren Experimente die an Gefangenen durchgeführt wurden.
Meine Eltern hatten mich mal mitgenommen, ich glaube nach Neuengamme, das hat mich sehr belastet. Ich fand ich war da noch zu jung für.
Man muss immer wieder daran erinnern, gerade weil vermutlich mittlerweile alle Zeitzeugen verstorben sind.

Liebe Grüße!

Edith hat gesagt…

Liebe Silver, mir ging es wie dir, ich konnte mich lange davon nicht weg reißen, diese Bilder schufen Wege, die einfach grausam auch im Denken waren. Du hast Recht, an manchen ging es früher und geht es auch noch heute einfach so an ihnen vorbei. Es ist mit allem so, doch, wenn das eigene Kind in den Brunnen gefallen ist, dann wird man wach und stöhnt und jammert und kreischt ....
Ich danke dir sehr für deine Empfindungen dazu
mit herzlichem Gruß von mir zu dir.