Ich Strom, Elbe,
entspringe in Tschechien
im Riesengebirge.
Ich bin gern aufgestiegen, aus der Erde,
denn ich wollte gleich nach meiner Geburt
tief fallen – 40 m als Elbefall.
Auf meinem Weg bin ich
einigen Völkern begegnet,
habe deren Launen zu spüren bekommen.
Im Leben fließt eben alles.
Doch ich blieb, bin immer noch da.
Des Menschen Hunger ist groß.
Sie kommen meinen Ufern zu nah
mit ihren Häusern.
Meistens wollen sie
immer nur das Beste für sich.
Und sie nutzen mich,
um ihren Gewinn zu optimieren.
Schon viel Gift musste ich schlucken,
doch ich sterbe nicht.
Abenteuerliches Leben stirbt nicht so schnell.
Noch bin ich dem Begradigen meiner Ufer entkommen.
Bäume, Buhnen halten mich ein wenig auf,
wenn ich Platz brauche, viel Platz.
Ich kann auch dünn sein, schnürsenkeldünn.
Gern verändere ich mich.
Doch das wisst ihr,
mit jedem Tropfen von mir
wird mein Leben, mein Dasein weiter erzählt.
Jede Welle, die ans Ufer trifft, sieht anders aus,
wirkt anders, ist so einmalig.
Ich mochte lange Zeit Kurven und Längen,
bis ich mein Bett fand.
Ich habe mich mit einigen Flüssen vereint.
Sie stärken mich in meinem Fluss.
Dort treibt es mich noch immer
strebend anzukommen – Nordsee – mein Ziel,
jede Minute, Stunde – immer.
Meine Schönheit grüßt euch alle.
Genießt sie.
8 Kommentare:
Spannend und imposant, was die Elbe uns da erzählt.
Lauschen wir auf ihr Flüstern, Gurgeln und rauschendes Reden!
Auch hier an der Aare mag ich das sehr. (Und früher am Rhein.)
Lieben Gruss ins Wochenende, Brigitte
Ich mag das auch sehr, liebe Brigitte, ich kann nicht genug davon bekommen.
Lieben Dank mit herzlichen Grüßen von mir zu dir.
Du liebst Deine Heimat und kannst Dich gut in etwas - in andere Menschen, sogar in ein Element, einen Fluß- hineinversetzen, siehst die Welt aus deren Sicht. Eine wirklich seltene Gabe in unserer Zeit, liebe Edith.
Danke für diesen "Blick".
Herzliche Grüße
Rosi
Liebe Rosi, du weißt ja von mir schon, dass ich neben meinen Berufen auch Stadtführerin war. Oft und oft, wenn ich Schulklassen hatte und ich sie fragte, was sie über die Elbe wissen, kam ein Schulterzucken und manche sagten, sie fließt an unserer Stadt vorbei - und das war es dann. Deshalb hab ich diesen kleinen Werdegang geschrieben, wenigstens einen kleinen Einblick ins Leben der Elbe, lächel...
Ich danke dir für dein Interesse immer wieder und grüße dich lieb in den Sonntag mit Sonnenschein.
Herzlichst, Edith
eine wunderbare Gabe sich in einen Fluß hineinzuversetzen seinem Lauf zu folgen, seinem leisen Flüstern zuzuhören wenn er gurgelnd über Steine hüpft, die Fischchen vor sich herschiebt...ja - ein sehr langes unbeschütztes Leben hat ein Fluß, auch Angreifer die ihn beschneiden eindämmen und korrigieren wollen- er trägt und führt einen beruhigenden Einfluss mit sich, spielt gerne selbst mit seinen Wellen und ist eine Plaudertasche, denn er erzählt von jedem Weg den er geht und kreuzt Geschichten all dessen was er auf seinem Wege sieht...
kleine Bäche die zum Fluß werden sind die spannendsten Erzähler denn sie lernen Hunde und Füße sowie Baumwurzeln die ihnen wiederum etwas erzählen kennen, die sie nur einmal im Leben vielleicht sehen...
ein Fluß - ein Blick - ein Leben -
herzlich angel
Liebe Angelika, all dies, was und wie du es beschreibst, erlebe ich an und mit meiner Elbe. Ich bin an ihn geboren, bekam ihr Fließen mit ins Blut gelegt, lächel...
Und kein Moment ist wie der andere, ihre Veränderung ist buchstäblich.
Danke, du Liebe, ich sende dir herzliche Grüße mit Sonnenschein.
Eine Homage an die Elbe, was hat sie erlebt und erlebt sie, Freude und Leid, auch heut! Sehr schön, danke! Klärchen
Ich danke dir, du Liebe, ja, sie ist meine Begleiterin von Anfang an - und wird es bleiben bis zum Schluss.
Lieben Dank dir, liebe Klärchen Marie
mit herzlichen Grüßen zu dir von mir.
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