Sonntag, 16. Mai 2021

Ich erinnere mich gern....

Der Tod nimmt nicht alles mit sich mit. Diese Erkenntnis trifft mich fast jeden neuen Tag.
Als ich mit 60 in Rente ging, begannen die Pflegejahre meiner Eltern. Als hätten sie es gewusst,
dass  ich nun rund um die Uhr bis zu ihrem Lebensende für sie da sein kann.
Sieben schmerzvolle, aber auch gute Jahre waren es für beide Seiten.
Das Beste war das Erzählen. Meine Eltern holten, ich weiß nicht aus wie vielen Ecken ihres Seins
Geschichten  hervor, die  nur sie betrafen, manchmal nur mich und oft uns als Familieneinheit.
Wir arbeiteten quasi die Leben auf. Es kam so viel  Interessantes zur Sprache, und so sehr viel,
von dem ich noch nie wusste. Daraus resultierten Fragen, für die es immer eine Antwort gab.
Heute bin ich froh für diese Zeit!
Geblieben sind Erinnerungen, geblieben ist der Geruch von Pfefferminz  meines Paps, die ansteckende Fröhlichkeit meines Muddeles und dieses uneingeschränkte Zusammengehörigkeitsgefühl von Beiden.
Unser aller Köpfe, unsere Herzen sind noch gefüllt von ihnen - ohne Ausnahme.
Eine starke Erinnerung in mir erwachte, als ich  Erde ins offene Grab meines Paps warf.
Es war besondere Erde, die mein Paps vom Feld seines Vaters aufhob und sie in einem Taschentuch in der Hosentasche verwahrte, als er in den Krieg musste. (Sein Vater gab ihm auch die Bibel mit.)
Es war nicht mehr viel Erde, die er mit  nach Hause brachte damals, als er mit nur einem Arm aus dem Krieg kam. Er erzählte oft mit Tränen in den Augen, dass er die heimatliche Erde oft anfühlte und dies ihm Kraft  gab. Schließlich sollte er in seines Vaters Bauernwirtschaft einsteigen, was dann nur mit einem Arm
nicht möglich war.
Erinnerungen, die so präsent sind in manchen Stunden, an manchen Tagen, die einem immer noch zeigen, das Liebe keine Lücken duldet....

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