Freitag, 4. April 2025

Tatsächlich*

Auf dem Boden der Tatsachen geht es sich nicht sonderlich bequem -
spitze Steine, hohe Wellen, Treibsand, Morast -.
Ist der Weg mal gangbar und gut,
treibt der Wind zerfetzte Wolken vor sich her.
Worte werden in Satzgefügen unverträglich laut.
Kommen wir jemals an in der Wirklichkeit?
Noch haben wir ein Kreuz, ein Rückgrat.
Ich drücke meines durch.

Aus meinem sechsten Tagebuch ...*

Mein Muddele sagte einmal zu meinem Paps: Kurt, bald habe auch ich mein Rentenalter erreicht, kann Daheim bleiben. Dann genießen wir das Leben.
Mein Paps streichelte über den Arm meines Muddeles und sagte: Gretl, nicht erst dann, das Leben ist doch immer - heute schon, morgen und übermorgen vielleicht...
Dies hat nicht nur meinem Muddele die Augen geöffnet...

Donnerstag, 3. April 2025

Frühlingsbeobachtungen*

Gleich rechts vom Horizont lacht sie mir ins Gesicht - die Sonne.
Sie strahlt pure Wonne.
Die Natur ist dem Kalender wieder weit Voraus in diesem Jahr.
Keimende Spuren, sichtbare Veränderungen.
Der Garten atmet Farben.
Der Mensch, der sich schon traut, zeigt Haut.
Alles geschieht wie von selbst.
Der Frühling formt die Worte fröhlich, weich.
Manchmal nachher.
Manchmal gleich.



Mittwoch, 2. April 2025

Beobachtet*

Träge der Tagesbeginn.
In der Luft flimmern Einbildungen,
von denen sich die Illusionen nähren.
Die Krähen sammeln weiter,
bauen und lassen sehen
wie immer mehr
neue Nester entstehen.
Jede Pappel
stellt hier wohl
ihre Fragen anders.
Beobachtend merke ich,
dass mein Zeitsaum zerreißt
und mein Tagtraum
nicht zu retten ist.
Der Frühling geht über
meinen Augenblick hinaus.
Und auch in nicht so leichten Zeiten
kommt es darauf an,
in den Gewohnheiten
genau das Aufregende
zu sehen.



Vom Gartenzaun aus gedacht und geschrieben*

So viel und oft wird gesagt: Damit musst du eben leben!
Es ist wie überall. Es tönt wie Überfall.
Wir leben in Zwängen, in unteren Rängen,
die Erde, sie wird erpresst, wirkt deshalb wilder.

Jetzt geh ich hinaus, nehme Reißaus vom Grauen der Welt,
freue mich, dass alles dem Lenze hin strebt,
die Natur auf ihre Weise in Schönheit lebt.



Dienstag, 1. April 2025

1. April*

Wir schau'n aus dem Fenster und warten auf Sonne.
Nassen Säcken gleich baumeln Wolken vom Himmel herunter.
Der Sturm, noch immer munter, treibt ein arges Spiel,
lässt Regentropfen an Scheiben klopfen.
Er lernt es wohl nie - so von Jahr zu Jahr - der Monat April!
Er macht, was er will!!!

Montag, 31. März 2025

Gute Begleitung*

Ich möcht' sie nicht missen, die DichterInnen und DenkerInnen,
die die Welt umrunden,
die die Erde mit Worten, in Prosa, in Lyrik erkunden,
die Zeichen setzen und Signale senden aus allen Zeiten,
die mich (von mir gewünscht und gewollt!) begleiten.
Gern greife ich auf sie zurück, denke an Goethe,
der mit eigenem Willen vom WIR sprach, wenn er sich meinte.

Und ich? Was habe ich aus meinem Leben gemacht?
Dies steht wohl noch auf ganz anderen Seiten.
Irgendwann werde ich blättern darin.
Den Sinn habe ich längst gefunden.

Sonntag, 30. März 2025

Ein Kreis*

Was ich gerade mache? Mich über meine Jüngste amüsieren...
Sie sah kürzlich den Konzertfilm von *Rammstein*. Ich fragte sie, wie es denn war, da sah sie mich an und meinte: Na Mama, DAS willst du doch nicht wirklich wissen!!! Ich musste lächeln. Dann erzählte ich ihr, dass ich den Sänger Till Lindemann schon von Kindesbeinen an kannte und zwar durch seinen Vater, Werner Lindemann, der in der DDR ein guter Kinderbuchautor war. Ihn hatte ich oftmals zu Lesungen eingeladen und er ist immer sehr gern gekommen. Er kam zeitlich immer früher hier an und holte mich sogar zu Hause ab, er wusste, da gab es schnell noch Kaffee und Kuchen. Das ich gern Gedichte schreibe freute ihn und jedesmal sprach er mit Stolz von seinem Sohn, von den ersten Gedichten, die Till mit neun Jahren schrieb...
Meine Tochter hörte mit Spannung zu, war quasi paffff... Jaja, so schließt sich manchmal ganz spannend ein Kreis aus Vergangenheit und Gegenwart....

Der drückende Kiesel um Schuh*

Der April naht. Dann werde ich wieder ein Jahr älter sein. Zuvor komme ich ins Grübeln. Ein Gefühl beschleicht mich - Freude, Trauer, Wehmut, Empörung, Wut, Angst.
Von allem etwas und noch mehr.
All dies begleitet mich tagein, tagaus, ähnlich wie ein Kiesel im Schuh, dem ich früher kaum Beachtung schenkte, der jetzt aber mehr und schmerzhafter drückt.
Er behindert das Vorankommen. Vorankommen? Wo fangen wir allgemein wohl an? Schon unübersichtliche Baustellen sind zu bewältigen.
Meine Angst gilt meinen Kindern und Enkeln - allen Kindern dieses Landes.
In dieses Land, in diese Welt wurden und werden sie geboren, und überall schreit es förmlich nach Antworten. Der Kiesel im Schuh wächst sich zum Steinbrocken aus.
Traurig, fassungslos, empört, wütend bin ich, wenn ich an die denke, die die Geschicke in ihren Händen halten. Unheilvoll jagt die Gegenwart auf die Zukunft zu.
Hinterfragen ist längst schon angesagt, nicht alles nehmen wir hin, akzeptieren nur noch sehr wenig.
Irgendwann schnappen alle Fallen zu. Kinder und Enkel sollten darin nicht in Atemnot geraten.
Denn, alles Leben hat einen Sinn.
Ich bin traurig und wütend zugleich, dass ich ihnen nichts Besseres gerade anbieten kann.
Und immer noch weiß ich nicht, was ich im Großen tun kann ( im Kleinen geben wir doch alle wirklich nur unser Bestes!), um all dieses Unfassbare zu ändern.
Gibt es nicht immer Mittel und Wege?
Gibt es dafür nicht Hirn?

Samstag, 29. März 2025

Meine allerbeste Erinnerung - meinem Paps*

Mein Blick steig hoch,
als könnt er dich erhaschen.
Und Gedanken sind ständig auf dem Weg zu dir.
Es gibt kein Wort, kein Tun, kein Lassen,
das flüsternd lieb
nicht deinen Namen spricht.
Alt geworden nennen viele, was du geworden bist.
Eine lange Frist.
Leben allemal.
Du hast mir viel mitgegeben
an Worten und Gedanken.
Vielleicht wüderst du mich heute fragen,
ob ich alle erblichen Anlagen auch nutze
und ein wenig so bin wie du gewesen.
Dann schlage ich nicht meine Augen nieder,
sondern sage ganz leise gen Himmel zu dir:
Ich versuche es immer wieder ...
Du bist uns nah...
Es gibt Zeiten
da wiegen Erinnerungen schwer.
Ein Abgrund der Verzweiflung
tut sich auf.
Jedes gesprochene Wort versagt.
Selbst der Trost
ist nicht tröstlich.
Alles fühlt sich
so verlassen an.
Bis man sie spürt,
die Gewissheit,
du lässt uns nie allein....